Ursprünglich deutsche Gemeinde (die Benennung stammt von dem Wort Sichling), 4 km von der Stadt Landskron enfernt. Kirche St. Johann der Täufer aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Pfarrei aus dem Jahre 1769, der Gedächtnisbaum - die Winterlinde hat einen Stammumfang von 6,7 m.
Ausführliche Informationen (aus der „Landeskunde Lanškrounsko" übernommen): Die Gemeinde Sichelsdorf erstreckt sich am Strom des Flusses Mährische Sasau entlang, 4 km südlich der Stadt Landskron. Die erste Erwähnung von Sichlingsdorf stammt von der Donationsurkunde Wenzels II. aus dem Jahre 1304, mit deren er die ganze Landskroner Gegend dem Königsaaler Kloster schenkte. Der rein kolonisatorische Ortsname hat seinen Ursprung in dem Personalnnamen des Lokators - Begründer des Dorfes. Dem wurde oft für das gemachte Werk erblich dem Schulzengericht des Dorfes und das Amt des Vogtes, der das Dorf vetrat und die Herrschaft repräsentierte, anvertraut. Die Kolonisierung wurde von den Herren von Dürnholz, deren Werk auch die Entstehung des Dorfes Sichelsdorf ist, was wir in diesem Fall auch schriftlich belegt haben, durchgeführt. Im Jahre 1364 trat der Vogt in Sichelsdorf Otto de Lapide ( tschechisches Äquivalent seines lateinisierten Namens würde Ota z Kamene / Ota von Stein lauten) vor und brachte seiner neuen Herrschaft - dem Leitomischler Bischof Jan von Středa - die Bitte um die Bestätigung des alten Privilegiums für das hiesige Schulzegericht vor. Jan von Středa, der die Landskroner und Landsberger Gegend für seine Nachfolger durch den Gütertausch mit dem Königsaaler Kloster im Jahre 1358 erwarb, gab dem Vogt der Bitte statt und dank seiner Behauptung erfahren wir auch einen Teil aus dem Inhalt des ältesten Schulzengerichts- hamfest in der ganzen Region. Der Bischof erwähnt sich in seiner Behauptung davon, dass ihm der Vogt die alte Privilegiumsurkunde, herausgegeben von den Herren Heřman und Oldřich von Dürnholz für den Vogt in Sichelsdorf und seine Erbfolger, für das Schulzengericht vorlegte. In Zubehör des freien Schulzengerichtes in der Otta´s Zeit war das Recht, sich ein Drittel aller von ihm auferlegten Geldstrafen, zwei freie Äcker, 24 Ruten der steuerpflichtigen Felder, freie Mühlen mit zwei Räder, dem eigenen Bach und die Pflicht, königliche Steuer mit einen Haufen Prager Groschen zu zahlen. Überdies gab der Bischof dem Schulzengericht auch das Recht, in den umliegenden Wäldern das Wild frei zu jagen. Während der Hussitenkriege ging das Leitomischler Bistum unter und ihre Güter erwarben die weltlichen Adligen. Seit der Hälfte des 15. Jahrhunderts erhielt die Landskroner Gegend die Herren Kostka von Postupitz und durch Heirat erwarben sie am Anfang des 16. Jahrhunderts Pernstein. Im Jahre 1541 gab es für die Einwohner von Sicheldorf der damalige Besitzer der Herrschaft Johann von Pernstein ein Privilegium, durch welches er ihnen zum freien Nutzen einen Teil des Baches Mährische Sasau gelassen hat, als Ersatz dafür, dass im Dorf auf dem Fluss eine Wirkerei für die Landskroner Tuchmacher gebaut wurde, heraus. Im Jahre 1561 gewann das Schulzengericht in Sichelsdorf der Stamm Viktorín, der ihn bis zu dem Jahre 1886 gehalten hat, als sein letzter Besitzer die Güter den einzelnen Wirtschaftlern zerstückelt hat. Nach dem Einstieg Karl von Liechtenstein, als eines neuen Besitzers der Herrschaft, hat sich die Lage des ursprünglichen alten Schulzengerichtes den herrschaftlichen Angestellten gefallen hat, die sie im Jahre 1624 mit Kryštof Viktorín gegen den herrschaftlichen Hof auf dem unteren Ende des Dorfes ausgetauscht haben. Das alte Gebäude des einstigen Schulzegerichtes wurde damals abgerissen und in die wirschaftliche Gebäude umbauen. Das neue Schulzengericht wurde zweimal umgebaut, der erste Umbau entstand nach dem Feuer im Jahre 1668 und der zweite (gleichfalls nach dem Feuer) im Jahre 1878. Das herrschaftliche Dorf wurde im Jahre 1926 zerstückelt und im Rahmen der Bodenreform an 6 tschechische Familien verkauft. Für ihre Kinder wurde im Jahre 1927 im Gebäude des Hofes die Minderheitenschule errichtet, die hier bis zu dem Jahre 1938 wirkte. Die tschechische Bevölkerung in der Zeit vor dem Krieg stellte etwa ein Zehntel unter den 700 Einwohnern der Gemeinde dar. Ein der bedeutendsten Meilensteine in der Geschichte des Dorfes Sichelsdorf war der Bau der Olmütz-Prager Bahnstrecke in den Jahren 1842-45. Der Bahnhof, der zu dieser Zeit in der Gemeinde entstanden ist, trug seine Benennung nach der mehr entfernteren Stadt Landskron. Erst im Jahre 1876 wurde die Station auf Sichelsdorf (Žichlínek) umbenannt. Im Jahre 1924 verbrannte das Bahnhofsgebäude, es wurde wieder erneuert, aber schon im Jahre 1930 kam es zu seiner Liquidierung. Weiter wurde sie nur als Haltestelle und Ladeplatz genutzt, aber auch der wurde in den 60-ger Jahren aufgelöst und nur die Haltestellte verblieb hier. Der erste Zug war in Sichelsdorf mit aller Berühmtheit am 20. August 1845 begrüßt, als hier mit Hilfe der Kulissen einen Ehrenbogen, gekrönt mit einer Mauerzacke und mit den Landeszeichen geschmückt, denn der Zug hat hier die tschechische Erde befahren. Eine weitere Wendezeit im Gemeindeleben war das Ende des zweiten Welkrieges, als Sichelsdorf vom Innenland besiedelt wurde. Kurz nach der Befreiung, im Jahre 1946, wurde bis heute eine funktionieren- de Kafillerei in Betrieb gestellt. Am Anfang der 50-ger Jahre nach den Problemen am Anfang konstituierte sich die örtliche einheitliche landwirtschaftliche Genossenschaft, in welche sich in der Hälfte der 70-ger Jahre alle umgebenden JZD (LPG) integrierten und im Jahre 1982 durch die Fusion der Genossenschaften in Sichelsdorf, Lukau und Tatenitz entstand die LPG Zukunft. Im Jahre 1996 wurde in der Gemeinde das Telefonnetz und das Kabelfernsehen installiert. Die Gemeinde wurde in den folgenden Jahren von der Flut betroffen. Den Denkmälern in der Gemeinde dominiert der Bau der Kirche der Geburt Johannes der Täufer. Die Kirche wurde zum erstenmal im Jahre 1380 als eine Filialkirche nach Landskron erwähnt. Nach dem Bericht aus dem Ende der 70-ger Jahre des 17.Jahrhunderts war die Kirche in Sichelsdorf eine hölzerne und ihre gegenwärtige Gestalt stammt aus dem Jahre 1725. Im Jahre 1769 wurde im Dorf die Lokalie errichtet, die erst im Jahre 1859 zu einer Pfarrei erhoben wurde. Das Pfarrgebäude wurde im Jahre 1769 gebaut. Im Jahre 1795 wurde in der Umgebung der Kirche der Friedhof errichtet. Die ersten Erwähnungen von der hiesigen Schule stammen aus dem Jahre 1664. Das neue Schulgebäude (das heutige Gemeindeamt) wurde im Jahre 1795 gebaut. Die gegenwärtige Gestalt, bis zu heute seinem Zwecke dienend, wurde in den Jahren 1908-1909 gebaut. Bis zu dem Jahre 1919 standen auf dem Vorplatz die Denkmale des Kaisers Josef II. und Franz Josef I., die zum Opfer der Bilderstürmer dieser umwälzenden Zeit wurden. Zu den kirchlichen Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde gehören zwei Statuen, die vor der Kirche stehen, und zwar die Statue von St. Johannes von Nepomuk aus dem Jahre 1755 und eine jüngere von St. Johann Evangelista aus dem Jahre 1769. Die Statuengruppe der Heiligen Dreieinigkeit aus dem Jahre 1778 befindet sich in der Nähe des Weges nach Reichenau. Eine gewisse Merkwürdigkeit, nach der leider praktisch keine Spuren verblieben, ist die Existenz der Festung Kroteful am südlichen Ende der Gemeinde. Die einzige schriftliche Erwähnung über sie stammt aus dem Jahre 1378, als die Festung die Landskroner Augustinianer erhielten. Im Jahre 1460 spricht man in der Bestätigung der Augustinianer Güter nur von dem Dorf Kotenful, die später wahrscheinlich mit Sichelsdorf verschmolz. Die Festung selbst wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnstrecke vernichtet, als sie zu dem Bau der Böschung gebraucht wurde. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten mit Sichelsdorf verbundenen, gehört u. a. Wenzel Bernard Appel (*1815 in Sichelsdorf), Dekan und Propst des Klosters Reichersberg, Träger des Rittersorden von Leopold (1891) und andere Geistige, Adalbert Janisch (*1805 in Sichelsdorf), Pfarrer in Seckau, von Franz Josef I. im Jahre 1880 mit dem goldenen Kreuz für die Verdienste ausgezeichnet. Eine beachtenswerte Persönlichkeit wurde gleichfalls Berhnard Kratschmer (*1832 in Sichelsdorf - †1905 in Wien), Intendant der ersten Klasse bei dem technischen und administrativen Komitee auch Autor des Handbuches für Versorgung (1889), der sich in der k. u. k. Armee für die Zeitgenossen einer bedeutenden Position (obwohl einige Jahrzehnte später diesen Typ der österreichischen Offiziere in seinem Roman Jaroslav Hašek meisterhaft entehrte) erarbeitete. Das Vereinleben in Sichelsdorf, ähnlich wie in den anderen Gemeinden, stellte vor allem der Freiwillige Feuerwehrverein dar, die im Jahre 1885 entstand. Gleich im Jahre 1945 wurde die Tätigkeit der Körperschaft erneuert. Außer seiner Hauptätigkeit veranstaltet die Freiwillige Feurwehr auch die traditionele Weinlese und die Kirmestanzabende. An die sportliche Tradition des einstigen Turnvereins, im Jahre 1922 gegründet, knüpft die gegenwärtige Körpererziehungseinheit, die drei Mannschaften hat - Fußball-, Volleyball- und Kraftsportmannschaft, die am Kulturleben mit der Veranstaltung des Sportballs teilnehmen. Zur Zeit wirkt in Sichelsdorf auch ein Jagdverein, das außer Jagd den Ziegenbach bewirtschaftet, in dem er Karpfen züchtet. Zu den bedeutenden Firmen gehören in Sichelsdorf Metall-Holz Urban mit 80 Arbeitnehmern, die Holzpaletten herstellt, weiter ASANACE, GmbH mit fast 90 Arbeitnehmern, die an die Tradition der Kafillerei anknüpft. Durch die Transformation der einstigen Genossenschaft enstand die heutige Firma ZOD Sichelsdorf, die insgesamt 340 Arbeitnehmeren engagiert. In der Gemeinde wirken auch kleinere Firmen wie die Werzeugbaufirma RAWELA GmbH, Heizungsbaufirma H.S.T., Schlosserei Šenkýř oder die Baufirma Dařílek. Zur Zeit leben in Sichelsdorf in mehr als 200 Häusern insgesamt 816 Einwohner.