An der Ecke der Straßen Hradební und 28. října (früher Panská) befindet sich ein einstöckiges Haus von ungewöhnlicher Form. Es erinnert an ein Klavier (Piano). Daher stammt der Name des Gebäudes, das an der Stelle des ehemaligen oberen Stadtores steht, welches 1791 abgerissen wurde. Das wertvolle klassizistische Bürgerhaus, erbaut irgendwann zwischen 1781 (Kauf des Grundstücks) und 1787 (das Haus war bereits im Josephinischen Kataster eingetragen), steht seit 1958 unter Denkmalschutz.
Das aus Mischmauerwerk errichtete und mit Kalkputz verputzte Objekt ist ein Beispiel für ein ursprüngliches spätbarockes Bürgerhaus aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, das zu Beginn des zweiten Viertels des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Geist baulich erheblich umgestaltet wurde.
Eine Gesamtkonstruktion fand in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts statt.
Im Jahr 2018 fanden am Haus eine Sanierung des feuchten Mauerwerks und eine Reparatur des Putzes statt. Aus diesem Grund musste der unterirdische Teil des Außenmauerwerks freigelegt werden, und die feuchten Stellen wurden mit einem sogenannten „Opferputz“ versehen. Dabei handelt es sich um das Verputzen der unteren Teile mit einem temporären Putz, der die Salze aus dem Mauerwerk aufsaugt. Nach einiger Zeit wurde dieser abgeschlagen und durch den Endputz ersetzt.
Es wurde auch eine sogenannte Abdichtungsinjektion des Mauerwerks durchgeführt, bei der in regelmäßigen Abständen eine Lösung in die Wand eingebracht wurde, die eine Art Gel bildete, das das Aufsteigen von Wasser verhindert.
Ein Fachmann restaurierte die Steinelemente, d. h. fünf volutenförmige, S-förmig ausgeschnittene Kragsteine sowie die Sandsteineinfassung der Tür. Während dieser Arbeiten stellte er fest, dass diese Sandsteinelemente in der Vergangenheit oft mit verschiedenen Farben bemalt wurden, wobei er konkret zum Beispiel weiße und grüne Farbtöne nannte. Dass die Sandsteinkragsteine bemalt waren, ist beispielsweise auch auf dem Foto des Hauses aus dem Jahr 1936 gut zu sehen (siehe Foto Nr. 2).
Es ist schade, dass Piano und insbesondere sein interessantester Teil oft durch große Autos beschädigt wird, die rücksichtslos sowohl den Putz als auch die seltenen Steinelemente zerstören.
Das Haus ist auch an der Fassade zur Straße 28. října hin interessant verziert, wo an den Rändern der Fassade des 1. Stocks eine Rustizierung zu sehen ist, die diagonal nach Art eines Denkmal-Sgraffitos geteilt ist. Um die Fenster herum befinden sich zudem gekröpfte Rahmen und darüber Gesimsaufsätze.
Die Reparatur des Hauses Piano wurde von der Prager Firma IPESIS durchgeführt, der Preis inklusive MwSt. erreichte 1,4 Mio. Kč.
Das Haus befindet sich im Besitz von Město Lanškroun. Es wird für ihre Aktivitäten und gemeinsamen Treffen hauptsächlich von Senioren und einigen Vereinen genutzt. Diesem Zweck entspricht auch die Ausstattung und die Innendekoration des Hauses. Im Erdgeschoss sind die ursprünglichen Gewölbe erhalten. Im architektonisch interessantesten Raum mit einer bogenförmigen Wand im 1. Stock befinden sich ein Lager und ein Archiv.
Marie Hrynečková
Foto:
1 - Foto des Hauses Piano irgendwann vor 1935, veröffentlicht im Buch Soupis památek historických a uměleckých v okresu Lanškrounském der Autoren J. Cibulka und J. Sokol.
2 - Eine Aufnahme aus dem Jahr 1936 des Autors Josef Böhm. Fotoarchiv des Městské muzeum Lanškroun.
3 - Haus Nr. 202 im Jahr 1940, Foto Suchomel. Fotoarchiv des Městské muzeum Lanškroun.
4 bis 14 - Das Haus Piano im Jahr 2018, als es rekonstruiert wurde.
https://www.lanskrounsko.cz/de/historie/einblicke-in-die-geschichte/11731-oprava-piana-4#sigProId66c360828a
